Übersetzer

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Aufgaben

Der Übersetzer, auch englisch "Translator" genannt, ist ein Mitglied einer Fansubgruppe und führt dort die spezifische Aufgabe der Übersetzung des zu fansubbenden Animes durch. Dabei kann die Übersetzung je nach den Kenntnissen des Übersetzers

  • direkt aus dem Japanischen oder
  • von einer englischen Vorlage ausgehend

erfolgen. Der Übersetzer schreibt seine Übersetzung entweder in eine Textdatei oder gleich in ein bereits grob getimetes Untertitelskript.

Wünschenswerte Fähigkeiten

Allgemeines zu Übersetzungen über Kulturgrenzen hinweg

Ein Übersetzer übersetzt nicht Wort für Wort, er interpretiert die ihm vorliegende Handlung und schreibt eine Geschichte. Gerade bei der Übersetzung aus dem Japanischen mit seiner weitgehend anderen Kultur und Sprachstruktur ist es in vielen Fällen überhaupt nicht möglich, einen Satz wörtlich zu übersetzen. Hinzu kommt, dass die japanische Sprache wesentlich mehrdeutiger ist als die deutsche (oder auch die englische); das japanische Publikum ist geübt darin, fehlende Teil-Informationen aus dem Kontext der Szene bzw. der gesamten Handlung zu schließen, das deutschsprachige Publikum dagegen hat diese Übung nicht und ist darauf angewiesen, dass der Übersetzer Mehrdeutigkeiten durch Interpretation und präzise Ausdrucksform auf Deutsch auflöst, wo dies zum Verständnis der Handlung erforderlich ist, sie aber beibehält, wo die Mehrdeutigkeit im Japanischen beabsichtigt (und ggf. sogar ein wichtiges Element der Handlung!) war.

Eine Übersetzung aus dem Japanischen ist also in vielen Fällen eher eine Nacherzählung, bei der die Erhaltung und verständliche Präsentation des Sinns der Aussagen ebenso wichtig, manchmal sogar wichtiger ist als die exakte Wiedergabe des Original-Wortlauts. Der Übersetzer (und zwar gleichermaßen der englischsprachige wie der deutschsprachige!) muss also einen Mittelweg finden zwischen textgetreuer (aber nicht hölzern klingender) und freier (aber nicht sinn-entstellender) Übersetzung - und er muss sich im Fall der Übersetzung eines Engsub vor allem der Tatsache bewusst sein, dass der Übersetzer ins Englische auch schon vor demselben Dilemma stand und sicherlich an einigen Stellen wortgetreu, an anderen aber wesentlich freier übersetzt hat. Mit entsprechender Vorsicht ist also der zu verwendende Engsub, der ggf. als Grundlage für die deutsche Version dienen soll, zu genießen.

Ob der Übersetzer im Einzelfall eher zu einer wortgetreuen oder einer für das deutschsprachige Publikum leichter verständlichen Version neigt, das macht letzten Endes seinen persönlichen Stil aus - es gibt keineswegs nur eine einzige "gültige" Übersetzung für ein Anime (oder auch nur eine einzelne Zeile).

Japanisch-Kenntnisse

Die meisten Gersubs entstehen nicht durch eine direkte Übersetzung aus dem Japanischen, sondern durch die Übersetzung eines Engsubs. Insofern wären Japanisch-Kenntnisse zwar wertvoll und wünschenswert, sind jedoch normalerweise keine Voraussetzung für eine Übersetzertätigkeit bei einem deutschsprachigen Anime-Fansub-Projekt.

Grundlegende Kenntnisse über das Wesen der japanischen Sprache (und Kultur!) sind allerdings hilfreich, um gewisse Unterschiede zwischen Japanisch und Englisch bzw. Deutsch zu verstehen - insbesondere sind auf Japanisch bestimmte Sachverhalte, die in unserer Sprache sehr detailliert beschrieben werden können (Singular/Plural-Formen, detaillierte Beugung von Substantiven und Verben etc.), gar nicht darstellbar, aber auch die umgekehrte Aussage trifft zu. Auch ein solides Grundwissen über japanische Umgangsformen und Standard-Floskeln (Begrüßungen/Verabschiedungen, Entschuldigungen, Honorifixe etc.) kann sicherlich nicht schaden.

Besonders wertvoll wären Japanisch-Kenntnisse bei der Übersetzung eingeblendeter Schriftzeichen (Schilder etc.), die meistens in Form von Kanji auftreten und in den entsprechenden Szenen oftmals handlungsrelevante Zusatzinformationen liefern könnten, welche in vielen Fällen auch in einem Engsub nicht enthalten sind. Ein entsprechendes Typesetting solcher Zusatzinformationen könnte die Qualität und Verständlichkeit eines Anime-Fansubs deutlich erhöhen, ebenso wie eingeblendete Fußnoten zur Erklärung bestimmter für die Handlung wichtiger kultureller Elemente einer Szene.

Hilfreich können (rudimentäre) Japanisch-Kenntnisse schließlich noch an Stellen sein, in denen der verwendete EngSub selbst auffallende Mehrdeutigkeiten (oder inhaltliche Unstimmigkeiten) aufweist. Eine Kontrolle, welches entsprechende japanische Wort in ein bestimmtes englisches Wort übersetzt wurde, kann an solchen Stellen eventuelle Verständnisprobleme beheben.

Englisch-Kenntnisse

Ein Übersetzer aus dem Englischen benötigt gute, besser sogar sehr gute Kenntnisse der englischen Sprache, wobei vor allem Kenntnisse der Umgangssprache, insbesondere Wendungen und Redensarten, dringend erforderlich sind, denn gerade amerikanische Fansubber verwenden keineswegs unser Schulenglisch.

Eine reine Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Englischen ist fast immer stark sinnentstellend und für das Verständnis der Handlung oftmals nicht mehr ausreichend; Untertitelzeilen in Fansubs, die in der entsprechenden Szene nicht plausibel im Kontext der Handlung erscheinen, sind oft genug auf fehlendes Verständnis einer bestimmten, ggf. umgangsprachlichen Wendung zurückzuführen. (Wobei dies grundsätzlich auch bereits bei der Produktion des Engsubs geschehen sein kann - ein Plausibilitätstest der Handlung kann in solchen Fällen fehlende Japanisch-Kenntnisse zumindest ansatzweise kompensieren.)

Deutsch-Kenntnisse

Ein Übersetzer hat die Aufgabe, die Information der in den zu übersetzenden Textzeilen dem deutschsprachigen Publikum in einer (sowohl technisch wie inhaltlich) verständlichen Form zu präsentieren. Darüberhinaus sollte er anstreben, für jede Person eines Animes ein dessen Charakter angemessenes Sprachniveau zu treffen - es wirkt einfach unpassend, wenn ein fünfjähriges Kind Bürokratendeutsch spricht oder ein Hochschulprofessor Gossensprache (es sei denn, genau dies wäre ein signifikantes Element der Handlung, also eine wesentliche Zusatzinformation für das Publikum!)

Um dieser Anforderung gewachsen zu sein, sollte er in der Lage sein, mit der deutschen Sprache relativ virtuos umzugehen. Dies betrifft in erster Linie

  • verständliche Formulierungen,
  • eine präzise Ausdrucksweise und
  • einen einigermaßen verständlichen Satzbau.

Defizite in Sachen Grammatik bzw. Rechtschreibung sind insofern tolerierbar, als der Editor diese in einem nachgeschalteten Arbeitsgang mit relativ geringem Aufwand beheben kann.

Hilfreich ist also insbesondere eigene Erfahrung im aktiven Schreiben - möglichst in Form längerer Aufsätze und Artikel, nicht etwa nur Forums-Postings oder gar Chat. Vor allem sollte der Übersetzer Spaß daran haben, sich in Form von Sprache auszudrücken - Übersetzen ist ein kreativer Job und darf nicht als Routine oder gar Fließbandarbeit empfunden werden. Nichts ist tödlicher für die Übersetzung einer Comedy als stocksteife Formulierungen - der Übersetzer muss versuchen, den Wortwitz bzw. die Dramatik, die ihn selbst beim Ansehen der japanischen bzw. englischen Fassung begeistert hat, dem deutschsprachigen Publikum über entsprechende Formulierungen zu vermitteln.

Kenntnisse der Handlung des zu übersetzenden Animes

Geschichten, deren Handlung nicht von vorn herein klar ist, verwenden oftmals Andeutungen an bestimmten Stellen, um beim Publikum bestimmte Denkprozesse auszulösen bzw. eine entsprechende Erwartungshaltung zu wecken. An diesen Stellen ist es in vielen Fällen zwingend erforderlich, einen bestimmten Wortlaut zu verwenden, der mit demjenigen einer dadurch angedeuteten Szene (die ggf. erst viele Episoden später folgen kann!) exakt identisch sein muss. Um eine solche Stelle entsprechend übersetzen zu können, wäre es also erforderlich, die Handlung der Geschichte komplett und im Detail zu kennen, um zu verstehen, auf welche Szene bzw. welches spätere Ereignis ein bestimmter, scheinbar unwichtiger Nebensatz anspielt. Bei Geschichten, die auf Action-Szenen, übernatürlichen Fähigkeiten etc. basieren, mag ein solches Detail vielleicht unwichtig sein; bei Geschichten, die stark auf Dialogen basieren (insbesondere Dramen, aber auch Comedies) kann die korrekte Übersetzung solcher Anspielungen den Unterschied zwischen einer ordentlichen und einer sehr guten Übersetzung ausmachen.

Obwohl Gersubs meistens auf vorher veröffentlichten Engsubs basieren, ist zum Zeitpunkt der Übersetzung das Ende der Serie nicht in allen Fällen bereits bekannt; insofern wird es manchmal schwierig sein, die bestmögliche Übersetzung für bestimmte Zeilen zu finden. Falls der zu übersetzende Anime auf einem bereits veröffentlichten Manga basiert, dann besteht eventuell die Möglichkeit, solcherart fehlende Kenntnisse durch Zugang zu diesem Manga (ggf. als englische Scanlation) teilweise zu kompensieren (auch wenn man sich nie darauf verlassen darf, dass Anime und Manga dieselbe Geschichte erzählen).

Noch wichtiger sind Kenntnisse über die Handlung (besonders deren Ende) für die Übersetzung des OP- bzw. ED-Songs, welche ohne entsprechendes Verständnis, worum es in einer Serie tatsächlich geht, oft völlig am Thema vorbei übersetzt werden und infolgedessen für das deutschsprachige Publikum des Fansubs völlig wertlos werden, während das japanische Publikum die entsprechenden Informationen bereits beim ersten Ansehen der Geschichte besitzt (bzw. wenigstens teilweise erraten kann, je nach dem Grad der Mehrdeutigkeit des japanischen Wortlautes).

Technische Hilfsmittel

Im Gegensatz zu den meisten anderen Mitgliedern einer Fansubgruppe kommt der Übersetzer im Wesentlichen mit einem normalen Texteditor aus, auch wenn zur Bearbeitung von Untertitelskripten entsprechende Hilfsprogramme existieren, die von manchen Fansubgruppen eingesetzt werden.

Darüberhinaus gibt es jedoch einige Hilfsmittel, die ihm die Arbeit erleichtern können:

  • Online-Nachschlagewerke für die Übersetzung zwischen Japanisch und Englisch (z. B. das Japanese<->English Dictionary oder AnimeLab) für die Verifikation und ggf. Rück-Übersetzung einzelner englischer Begriffe nach Japanisch zur Kontrolle, welche alternativen Bedeutungen eines japanischen Wortes der Engsubber verworfen hat
  • Online-Nachschlagewerke für die Übersetzung zwischen Japanisch und Deutsch (z. B. das Wadokujiten: Variante 1 auf stabilem Server und mit (experimenteller) Roumaji-Erkennung oder Variante 2 mit diversen Zusatzfunktionen aber auf einem instabilen Server)
  • Ein Crash-Kurs über japanische Sprache und Kultur (z. B. die JASMS-Seiten, welche einen schönen kompakten Überblick mit konkretem Anime-Bezug liefern)
  • Online-Nachschlagewerke über die deutsche Sprache (z. B. Udos Wörterbuch für Redensarten, wenn einem die passende Wendung auf der Zunge liegt, aber ums Verrecken nicht einfallen will...)
  • Online-Nachschlagewerte über die deutsche Rechtschreibung (z. B. die Duden-Suche, eigentlich eher für den Editor wichtig, aber auch der Übersetzer kann solche Informationen ab und zu brauchen)
  • Die Rechtschreibkorrektur-Funktion eines Textverarbeitungssystems (z. B. Microsoft Word) kann im Einzelfall ebenfalls gute Dienste leisten (und es dem Übersetzer ermöglichen, dem Editor bereits vorweg einen Teil seiner Arbeit abzunehmen - umso mehr Zeit bleibt diesem, sich auf das Sprachniveau der Übersetzung und die Plausibilität der Handlung zu konzentrieren).